Die andere Seite in einem Casino

 „Rien ne va plus“ nichts geht mehr

Im Laufe meiner Reise durch die Casinos habe ich diesen Satz schon viele tausende male ausgesprochen, ein Satz den wohl jeder schon mal irgendwo gehört hat, ein Satz der das ganze leben verändern kann. Nicht nur Spieler die auf der Straße des Glückes sitzen und ihre letzte Annonce werfen, bevor die Worte in Ihren Ohren erklingen, erleben wir mit  „Rien ne va plus“ eine völlige andere Geschichte aus der Sicht eines Casinos. 

Wie jeden Abend treffen wir uns zu einem Team Meeting, der heutiger Gaming Manger gibt uns alle nötigen Informationen zum Geschehen auf dem Floor, welcher Spieler was wo macht und wie hoch gespielt wird. In unserer Funktionen gleichen wir einer Maschine, gefüttert mit dem nötigen Input werden wir in den Spielsaal geschickt. Ein freundliches Lächeln zu den Gästen mit dem Gedanken ihnen soviel Geld abzunehmen wie möglich. Die Kugel rollt und wie ein Scanner bewegen sich meine Augen über den Tisch, gezielt auf die Spieler mit hohen Einsätzen und Annoncen. Durch mein trenniertes Lächeln bekommen sie davon nichts mit. Die Kugel neigt dazu den Lauf zu beenden und den Kesselrand zu verlassen. In diesen paar Sekunden habe ich alle Spieler am Tisch wie ein Computer eingelesen und abgespeichert. Rien ne va plus, nichts geht mehr kommt aus meinen Mund als hätte ein Wecker seinen Alarm ausgelöst. Noch immer die Augen wie eine Maschine auf mein Umfeld gerichtet, warte ich bis die Kugel in sein Zahlenfach fällt. 

Treffer und die Kugel beendet ihren Lauf mit einer vollbesetzten Nummer. Geschickt räume ich die Zahl frei, das gleicht einem Viren Programm das alle unnötigen Dateien entfernt. Leicht gestresst bückt sich der Pittboss nach vorne um meine Auszahlungen zu überwachen. Mit seinem Zwinkern vermittelt er mir das alles richtig ist und ich doch nicht wieder sowas werfen solle. Mit einem bezaubernden Lächeln und leichten verzögern, beim schieben der Jetons, erwarte ich meinen kleinen Anteil vom Gewinn. Sobald der Gast nur ansatzweise zuckt nehme ich sofort ein Stück und bedanke mich für die freundliche Geste mit den Worten “ Danke für die Angestellten“. Ich bin zufrieden und habe mir mit diesem Stück „Tronc“ ein Teil von meiner Bezahlung erarbeitet. Man muss dazu Wissen das wir, die Leute am Tisch, nur von diesen Zuwendungen „Trinkgeld“ leben. Eine geschichtliche Entwicklung in dem ein einzelner Mitarbeiter am Tisch mehr Trinkgeld gemacht hat als ein Vorgesetzter für den ganzen Spielbereich. Das waren noch hochachtungsvolle Zeiten, heute wird der Pott auf alle Mitarbeiter aufgeteilt. 

Bevor ich die Kugel zum nächsten Spin freigeben kann, merke ich noch wie mein Saalchef mit dem Pittboss spricht und schon bekomme ich die Anweisung mein Spielablauf zu ändern. Ich solle den Umlauf der Kugel um 3 Drehungen verlängern. Als ausgebildete Maschine in meinem Fach, eine Leichtigkeit den Anweisungen folge zu leisten, ich könne auch die Geschwindigkeit des Kessels auf exakt 0,1 Sekunden erhöhen, das alles wäre ein Kinderspiel. Doch es hat nichts genutzt und die Kugel bleibt auch beim nächsten Umlauf exakt auf einer anderen aber voll belegten Nummer liegen. Nach dem ich wieder sauber wie eine Maschine das ganze Spielfeld bearbeitet habe, mein Stück für die Angestellten versenkt wurde, hat mich der Saalchef sofort ablösen lassen. Hinter den Türen durfte ich dann direkt bei meinen Vorgesetzten antreten mit den Worten, so kann man doch nicht drehen, jede Runde ein Volltreffer für die Gäste, das ist sehr schädlich für unser Haus. In diesem Augenblick konnte ich nur noch mit wenigen Worten erwidern, das alles ist doch ein Spiel und der Zufall ist nicht berechenbar, weder von mir noch von den Gästen. Was mir letztlich eine Abmahnung wegen Uneinsichtigkeit gebracht hatte. 

So läuft es eben auf der anderen Seite im Casino! 

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