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    Wie würde ich eigentlich spielen, wenn ...

        • Wie würde ich eigentlich spielen, wenn ich die Roulette-Permanenzen eines ganzen Jahres
          für alle Casinos und Spielbanken im Voraus wüsste?

          ACHTUNG: Satire

          1. Tag – Besuch in meinem Haus-Casino Kassel-Wilhelmshöhe.

          Gegen 21:00 Uhr verlasse ich mein Haus, nur bewaffnet mit meinem Permanenzzettel für diesen Tag,
          Ausweis und 1.000,00 Euro.

          Am Empfang lege ich meine silberne Ehrenkarte vor und bekomme damit freien Zurtitt und auch noch einen Getränkegutschein dazu.
          Gemütlich schlendere ich zu meinem Stammplatz an der Bar und nicke unserem Hausmaskottchen und Barmann Karlchen Deuce kurz zu.
          „Wie immer?“ fragt er ein wenig abwesend.
          Ich nicke erneut und überschaue das Geschehen in meinem Spielrevier. „Wenig los heute“, grummele ich,
          als er mir meinen Cappuchino vor mich hinstellt. „Ja, na vielleicht wird’s noch.“ antwortet Deuce und wünscht mir noch viel Glück. Eigentlich heisst er Karl-Heinz Doiydtschdotcom. Wo der Name herstammt weiss er nicht, aber weil er durch eine gedoppelte Hasenscharte stark lispelt schricht er ihn Deuce aus. Seine Bar ist sein zuhause. Er raucht HB, Hier bin ich, hier bleib ich, hier bau ich.
          "Passt schon Deuce". Ich weiß, Glück brauche ich heute nicht.
          Mein Vorteil befindet sich in der Jacketinnentasche.

          Ich verfolge den Permanenzverlauf an Tisch 1 und wundere mich nicht über die bereits gefallenen Zahlen,
          ich kenne sie bereits.
          Mit einem freundlichen „Guten Abend“ stelle ich mich an den American Roulettetisch Nr. 1,
          ziehe schwerfällig einen 500 Euro Schein
          aus der Hosentasche und lege ihn auf das Tableau: „A Louis bitte!“
          Der Tischcroupier fragt vorsichtig nach: „A Louis der Herr?“ „Ja bitte“ antworte ich knapp
          und schon schiebt er eine Stick rote Jetons zu mir und zählt kurz vor: „200, 400, 20, 40, 60, 80, 500 a Louis gewechselt, bitte sehr!“. Ich bedanke mich mit einem Nicken, man kennt mich hier als wortkarg. Der Tischchef schaut sichtlich gelangweilt, ist aber wie immer auf mein Spiel gespannt. Ich setze irgendwas, alles was mir gerade einfällt, Transversale Plein, Carré, Plein, Dutzend Kolonne. Mal gewinne ich, meistens verliere ich. Sichtlich nervös ziehe ich mein Taschentuch aus der Hose und schnäuze mich. Mein Spiel dauert nicht lange und ich habe keine Jetons mehr. Zeit für einen obligatorischen Toilettenbesuch, der heute zu meiner Show gehört.

          Zurück an den Tisch und rechtzeitig zum Handwechsel poltere ich los: „Hoffentlich bringen Sie mir mehr Glück als ihr Kollege!“. „Mein Herr, ich gebe mir die größte Mühe!“ antwortet der neue Croupier. „Das will ich hoffen“ und lege meinen letzten 500 Euro-Schein auf den Tisch: „A 50 bitte!“. Kurz vorgezählt schiebt der Croupier meine 10 Jetons zu mir. Ich schaue den ersten drei Coups nur zu. Der Croupier versucht, mich zum Spiel zu animieren: “Bitte das Spiel zu machen.“. Ich weiß, es kommt die „9“ und annonciere dennoch die „Große Serie“ a 50. „So ein Mist“ zische ich oskarverdächtig, als die Kugel in der „9“ landet. Ich bekomme ein emotionsloses „Schade“ zu hören, „Du kannst mich mal mit deinem ‚Schade’.“ denke ich. Den letzten 50er Jeton wechsle ich nun in Zweier-Jetons um und spiele unmotiviert und wie ein echter Verlierer irgendwelche Kolonnenspiele. Erwartungsgemäß verliere ich und in meiner Hand halte ich nur noch drei Jetons.

          Ich bestelle bei Barmann Deuce noch einen Cappuchino und bezahle mit zwei Jetons. „Das ist mein Glücksjeton, der letzte meiner 1.000,- Euro“ verkünde ich lauthals am Tisch und lege ihn auf die „29“. Der neue Croupier kennt mich nicht und schaut mich mitleidig an, schon oft hat er solche Schauspiele in seiner Karriere erlebt und er erwartet, dass ich kurz darauf wie ein begossener Pudel das Casino verlassen werde. Er dreht an, wirft die Kugel ein und die Kugel beginnt ihren Lauf. Wie der Croupier es erwartet, wende ich mich vom Geschehen am Tisch ab und blicke gebetsartig zur Decke. Ich spiele mein Spiel, hier ist meine Bühne. Die Kugel beginnt zu klackern, kollidiert mit einer Raute und fällt in die „3“. Sie hat aber genug Schwung und springt aus dem Fach heraus und landet wenige Fächer weiter in der „29“. Ich sehe es dem Croupier an „Noch mal Glück gehabt“ denkt er. Nein mein Freund, es war kein Glück. Der Croupier zahlt die unteren Chancen aus und schiebt mir 35 Jetons zu: „Ein Plein a Zwo, 35 Stücke, 70“. „Einsatz für Sie und bitte alles a Fünf“ ist meine Antwort. Ich bekomme meine 14 Stücke a Fünf und setze die „Kleine Serie“ doppelt aus und zwei Stücke auf die Transversale Plein „10-11-12“, denn ich weiß, jetzt fällt die 11. Der Tischchef ist mit meinem Satz nicht einverstanden, ich sehe es ihm an, aber ich spiele mein Spiel mit der Bank. Es fällt die „11“ und ich bin mit 280 Euro Gewinn dabei. Ich tue überrascht und gebe großzügig zwei Stücke in den Tronc, bemerke aber am Tisch, dass ich noch ziemlich weit hinten liege. Jetzt sollte die „21“ kommen und ich annonciere: “Finale 1 a 10 bitte“. Meine Annonce wird wiederholt und der Croupier legt jeweils zwei Stücke auf die „1“, „11“, „21“ und die „31“. Die Kugel rollt und landet schließlich mit einem satten Klack in der „21“. Ich bekomme meinen Gewinn vorgezählt: „Ein Plein a 10, 35 Stücke, 350.“ Ich gebe ein Gewinnstück in den Tronc und lasse mir alle bisherigen Gewinne in Louis wechseln. „Jetzt brauch ich ne Pause.“ bemerke ich am Tisch, und schlendere zurück zu Karlchen Deuce und meine Freigetränke-Bar.
          Bei Karlchen muss ich nie zahlen, weil ich ihm immer meine Zigaretten auf der Theke liegen lasse. Als Gelegenheitsraucher brauche ich auf Wilhelmshöhe eine Schachtel in der Stunde. Egal, dafür kostet mich der Cappo nichts.

          Geduldig warte ich ab, bis der andere Neu-Croupier wieder seine Schicht hat, bei dem ich mit meinem Spiel begann. Gegen 23:00 Uhr ist es soweit – Handwechsel. Ich werfe einen kurzen Blick auf meinen Permanenzzettel und wechsele an den Tisch. Der Croupier erkennt mich und erwartet meinen Einsatz. Ich weiß, er wirft nun meine Lieblingszahl und Zweitfrau die herrliche „23“. Ich lege vier Louis auf die 23 und ergänze die umliegenden vier Chevals mit jeweils sechs Louis-Stücke. Am Tisch regt sich erste Aufmerksamkeit, so hoch wird hier normalerweise nicht gesetzt. Der Croupier dreht langsam den Kessel und wirft die Kugel ein. Irgendwie rattert die Kugel seltsam, sie läuft nicht rund und stabilisiert sich erst gegen Ende ihres Laufes. Die Kugel hat unterwegs soviel Energie verloren, dass sie fast senkrecht in den Kessel hineinstürzt. „23, Rot, Impair, Passe“ verkündet der Croupier und freut sich auf ein sattes Trinkgeld. Er zahlt die Einfachen Chancen aus, die Drittelchancen werden bezahlt und dann bin ich an der Reihe: „Ein Plein a 80, vier Cheval a 120, 10.960, alles groß der Herr?“. „300 auf die 37.“, antworte ich und ein lakaienhafter Dank erreicht mich. Ich habe die Situation im Griff und weiß, Doppelschlag auf meine Zweitfrau „23“. Darum lasse ich den Croupier auf Maximum erhöhen: „Zweihundert auf die „23“ und jeweils Vierhundert auf die Chevals „22/23“, „23/24“, „20/23“ und „23/26“.“ Der Croupier blickt fragend zum Tischchef und der presst heraus: „Na dann machen Sie mal“. Fasziniert schauen die übrigen Gäste auf den Tisch, und mein Stamm-Nachspieler und hier allen als EC-Player bekannt, fasst sich den Mut und spielt a 2 auf die „Kleine Serie“. Der Croupier dreht an und wirft ungewöhnlich scharf die Kugel ein. Nach fast unendlich langen zwanzig Runden senkt sich die Kugel in Richtung Kessel, springt über den Zahlenkranz hinweg und legt noch mal fast zwei Runden auf dem Teller zurück. Die Kugel entschließt sich, im Fach mit der Nummer „23“ ihren Lauf zu beenden. Bingo Ringo!

          Ich verzichte auf die erforderliche Nachlage und lasse den Finanzbeamten meinen Gewinn in Höhe von 34.200,- Euro ordentlich protokollieren. Die Einsätze gebe ich in den Tronc, immerhin 1.800,- Euro gab es für die Angestellten. Ich hoffe hier habe ich künftig auch Frei-Essen für mich Hessen, wenn es auch nur Schnittchen mit Gürkchen hier gibt. Zum Schluss schnappe ich mir vier Platten und verkünde arrogant am Tisch: “Jetzt gebe ich Ihnen die Chance, sich einen Teil des Geldes zurückzuholen.“ Der Croupier dreht und ich lege zwei Platten auf Impair und zwei Platten auf Manque aus. Es fällt die „1“, ich ziehe meinen Gewinn und den Einsatz ab und verlasse den Spieltisch in Richtung Kasse. 2.000,- Euro lasse ich mir auszahlen und den Rest auf mein Konto überweisen. Zur Erinnerung an diesen Abend schönen Abend in geselliger Runde stopfe ich mir einen Loius in meine Sakkotasche. Kurz bevor ich gehe, fragt mich der Saalchef, ob ich diese Woch noch einmal vorbei schaue. Keine Sorge denke ich, morgen werde ich schaue ich mir mal eine andere Spielbank von innen an, aber ich komme doch wie immer gerne wieder.

          Fortsetzung folgt

  2. #2
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    Re: Wie würde ich eigentlich spielen, wenn ...

        • .

          2. Tag

          Ich habe herrlich geschlafen und mir ein ausgedehntes Frühstück gegönnt. Nun wird es Zeit, meiner Frau zu verklickern, dass ich das nächste Jahr nur noch gelegentlich mal zur Pflege des Hobbys, als Zeitarbeiter arbeiten werde. Sie fand meine Idee nicht so toll und würde es sich überlegen ob sie da mitspielt. Ich überlege natürlich auch, aber in einem Jahr ist meine Gewinnerkarriere vorbei und warum soll ich mir eine Chance selber verbauen? Zudem bin ich hin und hergerissen, warum nicht einfach jeden Tag ein anderes Casino besuchen und das Maximale rausholen, frage ich mich. Nein, das würde mir keine Freude bereiten, denn ich möchte ja MIT dem Casino spielen und nicht nur IM Casino. Außerdem, mein Spiel wäre durchschaubar und warum sollte ich auch im Gegensatz zu meinem persönlichen Spiel, so lange Zeit in einem Casino verbringen müssen?. Die Gewinne unterhalb der Schmerzgrenze einer Spielbank sind mein Ziel und mein Spielergebnis muss zufällig aussehen. Meine Maximum-Abschiedstour kann ich immer noch durchziehen.

          Gedacht – getan und eingestiegen ins Auto geht es über die BAB 7 nach Hannover. Nach knappen zwei Stunden erreiche ich mein Ziel. Auch heute bin ich präpariert mit meinem Schummelzettel.
          Die Permanenzen auswendig lernen, das wäre mir zu aufwändig.

          Aha, heute werden drei Tische geöffnet, gut so. Im Treppenaufgang in die erste Etage der Spielbank Hannover umgibt mich ein Gefühl unendlicher Leichtigkeit.
          Es ist früher Abend und dennoch erwartet mich ein emsiges Treiben in der Spielbank. Ich frage mich, in welche Rolle schlüpfe ich heute?
          Will ich ein Sputnik sein, der augenscheinlich gehetzt zwischen den Spieltischen pendelt, oder gebe ich mich als Permanenztüftler aus, der umfangreiche Berechnungen anstellt, um sich dann für eine Einfache Chance zu entscheiden?

          Vieles ist denkbar und um mir die Entscheidung zu erleichtern, suche ich das Rundell-Café am Kopfende des Saeles auf und bestelle mir ein eiskalte Coke ohne Eis und Zitrone.

          Ich habe mich entschieden, am Empfang gab es Glücksjetons die ich jedoch nur auf Plein verspielen darf. Ich nähere mich dem ersten Tisch und warte, bis der Croupier abwirft.
          Kurz nach der Absage platziere ich meinen Glücksjeton auf die „34“.
          Der Tischchef entgegnet mir freundlich aber bestimmt: „Bitte nicht so spät setzen der Herr!“
          Ich gucke unschuldig, als ob ich ihn nicht verstanden hätte und wende mich einem anderen Tisch zu.
          Natürlich fällt die „34“ und ich strecke meinen Hals in Richtung meines Glücksjetons. Als ich meinen Gewinn entgegennehme, entschuldige ich mich noch mal: „Zwei Stücke für Sie und es tut mir leid, aber meine Intuition für diesen Satz hatte ich erst sehr spät.“
          Zufrieden nickt der Tischchef und ich trolle mich.

          Am BlackJack-Tisch schaue ich den anderen Spielern zu und checke meinen Permanenzzettel.
          Ah bei Tisch 3 läuft jetzt eine längere Schwarz-Serie, es wird Zeit für ein zünftiges Paroli-Spiel.
          Gerade noch rechtzeitig schaffe ich es, meinen Jeton zu platzieren. „11, Schwarz, Impair, Manque.“ Verkündet der Croupier und bezahlt mich.
          Ich lasse stehen und nehme auf einem der Hocker platz, die ein wenig entfernt vom Tisch stehen.
          Nachdem noch sechsmal Schwarz kam, blickt sich der Tischchef um, als suche er den Besitzer des Jetonstapels. „Na freundlich sind sie zumindest hier, machen sich Sorgen um die Gewinne des Spielers!“ denke ich, aber ich weiß auch, dass der Croupier noch viermal Schwarz treffen wird. g:

          Ich genieße das Schauspiel und es kommt die „29“ und danach die „28“.
          Der Tschchef läutet nach dem Saalchef und deutet auf meinen Jetonstapel, mittlerweile liegen hier Jetons im Wert von 2.560,- Euro.
          Der Saalchef winkt ab und lässt abdrehen, es kommt die „24“.
          Nun befiehlt der Saalchef einen Handwechsel. Innerlich grinsend verfolge ich das Schauspiel und überlege, ob ich nicht noch zusätzlich Plein a Maximum belegen sollte, verwerfe aber den Gedanken. Schließlich bin ich gerade in die Rolle eines EC-Spielers geschlüpft.

          Auch der neue Croupier muss die „35“ drehen, so steht es auf meinem Permanenzzettel. Der Croupier dreht an und verfolgt nach seiner Absage den Kugelverlauf. Eigentlich darf er das nicht, denke ich mir, denn schließlich muss er das Tableau überwachen und unzulässige Sätze abwehren.
          Klack, klackklackklackklack, „35“ zeigt die Permanenzanzeige an.

          Jetzt stehe ich auf, denn nun muss ich reagieren.
          Nicht nur, weil jetzt die Schwarz-Serie abreißen wird, nein, auch weil ich das Tischmaximum auf EC erreicht habe. Ich ziehe meinen Gewinn ab und beobachte nur noch, wie andere Spieler Schwarz mit ihren Einsätzen zupflastern.
          Ich weiß es besser, es kommt nämlich die „7“.

          Der Croupier wechselt die Drehrichtung und wirft die Kugel ein. Nach einer Kugelrunde platziere ich eine 5.000,- Platte auf Rot. Sofort setzt Tumult am Tisch ein, alle wollen ihre Schwarz-Einsätze nun auf das rote Feld verschieben.
          Ich achte nur auf meine Platte, man weiß ja nie.
          Der Croupier sagt ab und ich seh den Leuten um mich herum die Angst an, ob sie wohl verlieren. „7, Rot, Impair, Manque, nichts aus den Annoncen“ fast betonungslos sagt der Croupier die gefallene Zahl an.
          „Rot bezahlt“ ist mein Pausensignal und ich begebe mich zum Rundell und bestelle einen Haussalat, schließlich geht der ja aufs Haus. Frech grinse ich in mich hinein.

          Mit einem erfolgreichen EC-Spiel hat meine Spielweise gar nichts gemein. Es gibt kein dauerhaft erfolgreiches Systemspiel.
          Ich werde nach meiner Bestellung auf mein System angesprochen und muss mir mein Lachen verkneifen. Da ich schon jahrelang in den einschlägigen Internetforen unterwegs bin, fallen mir passende Begründungen schon ein, mir die Fantasten vom Hals zu halten: „Die Schwarz-Serie war fällig, schauen Sie sich doch bitte mal den Vorlauf an, verstehen Sie etwas von Sigma-Grenzen? Nein?
          Informieren Sie sich doch bitte, es hilft ehrlich! ich kann Ihnen mein Spiel nicht erklären, aber es beruht auf Spiegelungen und all sowas.
          Die Wahrheit sieht anders aus, aber die Leute wollen genau das von mir hören.
          Einem pathologischen Spieler kannst du nicht helfen, denke ich mir.
          Außerdem muss ich an meine Fassade denken. g:

          An diesem Abend setze ich nur noch dreimal, wenn auch in entsprechender Stückgröße. Irgendwann nervt der Tross der Nachspieler nur und ich mache mich auf den Heimweg.

          30.000,- Euro sind genug Gage für meine schauspielerische Leistung. Höhere Gagen gibt es in größeren Häusern tröste ich mich, trete das Gaspedal durch und gleite in Richtung Heimat.


          Fortsetzung folgt

  3. #3
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    Re: Wie würde ich eigentlich spielen, wenn ...

        • 3. Tag – Der BlackJackCrack

          Über Nacht hatte ich eine Idee, die mich auch tagsüber beim Angeln nicht mehr losgelassen hat und so bereite mich auf meinen Auftritt vor und nehme heute den Permanenzzettel für die Spielbank Bad Homburg mit. Meinen V8 Audi muss ich allerdings noch volltanken, die Vollgasorgie gestern Nacht auf meinem Heimweg hat Spuren im Tank hinterlassen.
          Kurz noch das Navigationsgerät auf den mein Ziel eingestellt, im Autoradio einen Musiksender ohne Werbeunterbrechung gesucht und die Klimaautomatic auf eine angenehme Temperatur eingestellt. Es regnet leicht, aber ich komme gut voran, denn der Wagen liegt gut auf der Straße. Autofahren entspannt mich ungemein und wie jeder Künstler benötige auch ich eine Konzentrationsphase vor meinem Akt.

          In Bad Homburg angekommen, mache ich einen Abstecher in die Katakomben der Spielbank. Man ist das bedrückend denke ich beim Anblick des Automatenspielsaals und ab geht es in den Spielsaal. Meine Rolle ist mir klar und ich bitte den Saalchef, den BlackJack-Tisch für mich zu öffnen. Am Tisch wechsele ich 1000,- Euro gegen Jetons in 50er Stückgröße und beginne mein Spiel.

          Die Basisstrategie ist mir nicht unbekannt und doch wogt das Spiel hin und her. Ich komme in eine längere Verlustphase, aber ich werde nicht unruhig. Genau diesen Moment habe ich einkalkuliert. Nur noch zwei Jetons vor mir liegend, sage ich: „Einen Moment, ich muss mir neues Kapital besorgen.“
          Der Croupier grinst mich an, stellt aber dennoch ein Reservierungsschild auf meinen Platz und ich wechsele an den Roulettetisch.

          Ein kurzer Blick genügt mir und ich weiß, es kommt die „2“. Schnell lege ich zwei 500,- Euro Scheine auf das erste Dutzend. „Scheine spielen erstes Dutzend!“ sagt der Tischcroupier pflichtgemäß an, überprüft das Geld auf Echtheit und wechselt es ein. Danach legt er den 1000er Jeton auf das Tableau. Ich denke mir: „Du musst gleich noch zwei Platten drauflegen!“ und bestimmungsgemäß fällt die Kugel in das Fach mit der schwarzen „2“.
          Ich nehme Einsatz und Gewinn und wechsele zum BlackJack-Tisch zurück. „Da bin ich wieder!“ erkläre ich freudestrahlend und wechsele 1000,- Euro in eine kleinere Stückgröße.
          Mein Blackjack-Spiel geht weiter. g:

          Kurze Zeit später setze ich eine konzentrierte Miene auf und springe vom Blackjack-Tisch auf. Zügig begebe ich mich an Roulettetisch 2, schaue auf mein kleines Geheimnis, um schließlich 500,- Euro auf die Transversale Plein 19/20/21 zu setzen. „19, Rot, Impair, Passe, Zwei Stück aus der großen Serie, keine weiteren Annoncen!“ die Antwort des Croupiers schien auswendig gelernt.
          Schließlich bemerkt er meinen Einsatz und zieht kurz die Augenbrauen hoch. Für einen echten Croupier ist das schon ein überschwänglicher Anfall von Emotionen.
          Er bezahlt mich und ich gehe zurück an meinen Platz am BlackJack-Tisch.
          Dort angekommen meinte ich nur: „Intuition, eigentlich bin ich BlackJack-Spieler.“ „Vielleicht sollte der Herr doch lieber Roulette spielen.“ frotzelt der Croupier. ‚Du kannst mich mal, ich spiele nur Roulette’ denke ich mir, aber meine Rolle gefällt mir.

          Jetzt erhöhe ich auf 200er Stückgröße beim BlackJack und wie es der Zufall will, gerate ich in eine Gewinnserie. Oft lasse ich Einsatz und Gewinn stehen und spiele Paroli. Ob ich beim BlackJack verliere, ist mir egal. Ich gewinne woanders ganz sicher. Aber der BlackJack-Gott ist sehr gnädig.
          Streng nach Basisstrategie mache ich einen ordentlichen Schnitt. Es gesellen sich andere Spieler an den Tisch und für mich ist es Zeit, eine Pause zu machen.
          Ich gönne mir einen leckeren Snack, nämlich Caesar Salad Classic mit gebratenen Riesengarnelen.

          Mir fällt ein junger Mann auf, der für jeden Folge-Coup auf der ersten Kolonne sein Glück versucht. Er sitzt am Kopfende des Tisches. Vor ihm ein Notizzettel kaum grösser als eine Zigarettenschachtel. Noch während die Kugel ihre Runden dreht, liest er vom Zettel ab, welchen Jetonwert er für den nächsten Coup braucht und legt diesen Satpel schon einmal bereit. Ich fühle mich in meine Anfangszeit in 1996 zurückversetzt, als ich für meine praktischen Roulette Forschungen, einzig zum Beobachten der Spieler die Spielbank in Kassel besuchte und schaue ihm ein wenig zu.

          Ich weiß, er wird noch ein wenig gewinnen, das kann ich an meinem Permanenzzettel abschätzen, denn die erste Kolonne wird in den nächsten Coups noch so oft erscheinen, dass er nicht an das Tischlimit gerät. Vorausgesetzt natürlich dass er überhaupt so Kapitalstark ist um es bis dahin zu schaffen. Er wird bald in eine Serie der 2. und 3. Kolonne kommen und er wird zu 97,3% dagegen setzen.
          97,3% der Spieler machen immer die selben Fehler. So erklärt sich, dass bei einer Gewinnchance von 97,3% dennoch 97,3% der Spieler verlieren.

          Der Kollege am Tisch hier wird womöglich auch alles verlieren, seine Gewinne und sein Spielkapital. Hoffnungslos mit Händen in den Taschen wird er dann irgendwo abseits stehen.
          Ich weiß, wie sich solche Spieler fühlen. Ich habe sie in 1996 nicht nur gesehen. Ich habe auch mit ihnen gesprochen um hier im praktischen Bereich meine theoretischen Erfahrungen zu sammeln.

          Vorgenannter Spieler wird nicht sofort nach Hause gehen, denn das würde zu sehr nach Niederlage aussehen. Nein er wird vermutlich einen günstigen Moment abwarten und schleichst sich dann irgenwann aus der Spielbank.

          Ich setze mich neben ihn an den Tisch als er in der Gegenserie gerade seine letzten beiden Jetons auf die 1. Kolonne platzieren will. „ Setz einen davon mal auf die 36. Gewinnst Du, bist Du wieder 35 Stücke vorne. Verlierst Du geb ich Dir das verlorene Stück wieder. Jeden tag eine gute Tat und ich habe heute Geburtstag“ sage ich zu ihm.
          Sein Gesicht werde ich nicht so schnell vergessen, wie ferngesteuert steht er auf und setzt schließlich den Jeton auf die „36“, anschließend schleicht er zum Kessel und schaut der Kugel bei ihrem Lauf zu.
          Ich weiß, was kommt, nämlich die „36“.

          Der Croupier macht seine Ansage: „36, Rot, Pair, Passe, ein Stück Plein, zwei Stücke aus der kleinen Serie, ein Stück aus 27-Zwo-Zwo. Keine weiteren Annoncen“. Ungläubig kommt der junge Mann mit seinem Gewinn auf mich zu.
          „Ich darf das wirklich behalten?“ und ich antworte: „Ja, aber nur, wenn du diesen Blödsinn mit Deinem systematischen Spiel auf der ersten Kolonne lässt. Dauerhaft mit einem sturen System auf kleine Geweinnchancen zu spielen ist aussichtslos. In Deinem speziellen Fall deckst Du mit 1.Kolonne lediglich 32,4% der im Kessel befindlichen Zahlen ab.“ Er fragt mich nach meinem System und ich muss ihm antworten, dass ich kein System habe. Ich gebe ihm den Tipp im Internet meine Satire zu lesen und sich im Roulette Bereich des PlayWorldForum zu registrieren und hoffe, dass er danach das Spielen lässt oder zumindest überdenkt.

          Zeit für die nächste Runde BlackJack und ich kämpfe mich zum Tisch.
          Alle Plätze sind besetzt und so muss ich aus der zweiten Reihe mitspielen. Ich frage laut, wer hier am Tisch nach Basisstrategie spielt und ob derjenige ein Problem damit hätte, wenn ich seine Box mitspiele.
          Ein Mann in meinem Alter nickt mir kurz zu und unser Pakt ist geschlossen.
          Es kommt mir sehr entgegen, dass ich aus der zweiten Reihe spiele, denn so kann ich mich geräuscharm zu meinen Roulettetischen gehen und dort meine Gewinne abholen.

          Ich spiele klein, mal 1.000,- auf Dutzend, mal je 1.500,- auf zwei Kolonnen, mal ein Transversalenspiel a 500.
          Regelmäßig kehre ich an den BlackJack-Tisch zurück, wo ich für Außenstehende erkennbar die meiste Zeit verbringe.

          Den Abend beende ich schließlich mit einem Gewinn von knapp 50.000 Euro. An der Kasse bemerke ich, dass es heute sehr gut bis ausgezeichnet gelaufen ist und hinterlege meine Bankverbindung, weil ich mit soviel Geld nur ungern unterwegs bin. Auf der Autobahn muss ich mich zwingen, ruhig zu bleiben. Gedanken schießen mir durch den Kopf, freut es mich doch einem Spieler brauchbare gute Tipps gegeben zu haben. Dennoch bin ich heute beim Beobachten anderer Spieler stellenweise auch ganz schön gierig geworden.
          Wenn man wie ich gerade die Zahlen im Voraus kennt, ertappt man sich dabei mal so richtig abräumen zu wollen. Wo bleibt meine Konzentration? Lass ich mich etwa ablenken?
          Ich verordne mir einen Tag Gewinnpause.

  4. #4
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    Re: Wie würde ich eigentlich spielen, wenn ...

        • 4. Tag – Besuch bei Freunden

          Es ist Freitag und wir packen unsere Taschen für einige Tage NRW.
          Meine Frau hat einen Besuch bei Freunden im Ruhrpott vereinbart/beschlossen.
          Eine nette Familie die wir auf unserer letzten Camper-Tour in den Schweizer Bergen kennengelernt haben. Das passt, denke ich mir und gleich drei Spielbanken im Einzugsgebiet.
          Ich packe mir vorsichtshalber nicht nur die Permanenzen für Hohensyburg, Aachen und Bad Neuenahr ein, nein auch noch für Duisburg.
          Ich freue mich schon auf meine Spiele, doch im eigentlichen Sinne spiele ich ja nicht nach meinen Regeln, denn ich kenne bereits die Zahlen des Abends.
          Weil nur 15 KM entfernt, habe ich mich als erstes für Bad Neuenahr entschieden.

          Ich schaue mich ein wenig um und schnappe mir mein Permanenzblatt der Spielbank Bad Neuenahr zum Mitschreiben.
          Ich tue so, als ob ich die gefallenen Zahlen notiere, in welche Richtung die Kugel geworfen wurde und welche Wurfweite sich ergibt.
          In der letzten Spalte notiere ich irgendwelche Besonderheiten.

          Anhand meiner Vorbereitung weiß ich, wann der Croupier besonders gleichmäßig wirft und identische Wurfweiten produziert.
          Tischnachbarn interessiert natürlich was ich da für hochintelligent Berechnungen anstelle, aber ich weiss ja welche Zahlen kommen und damit auch meine Gelegenheit mich in unverdienter Hochachtung zu aalen.

          5/8/28/7/36/27/9/14 sind die kommenden Zahlen. Nach der „28“ steige ich ein und annonciere: „7 ZwoZwo a 50 bitte.“
          Der Croupier wiederholt brav meine Ansage und weil noch genug Zeit ist, setzt er die Stücke aus. Am Tisch ist nicht viel los und auch sonst habe ich den Eindruck, meine Stückgröße für Pleinsätze ist nicht selten.
          Gut so, das kommt mir entgegen.

          Erwartungsgemäß kassiere ich für meinen Treffer einen Gewinn in Höhe von 1.750,- Euro, das Einsatzstück bekommen die Angestellten.
          Der Croupier wartet kurz auf meine Ansage, ich schaue ihm tief in die Augen und frage ihn, ob er nicht eine Idee hätte.
          Die Standardantwort auf diese Frage kennt jeder Spieler und so entgegne ich: „ Na wenn Sie schon keine Idee haben, dann habe ich auch keine!“.

          Ich warte ab, bis er die „36“ wirft, um danach gleich die „13“ und ihre beiden Nachbarn mit 200,- zu belegen. Diesmal setze ich selber aus.
          Der Croupier dreht ab und wirft die Kugel ein, wie ich es schon unzählige Male gesehen habe. Es herrscht Ruhe am Tisch und die Absage nehmen alle gelassen entgegen. Auch nach der Absage werden Einsätze zumindest geduldet, nur sollte es der ältere Herr im hellen Sakko nicht übertreiben, denke ich mir.

          „27, Rot, Impair, Passe, drei Stücke aus der Kleinen Serie. Keine weiteren Annoncen.“, der Croupier scheint mit seinem Wurf zufrieden zu sein. Ich bekomme 7.000,- Euro in Jetons ausgezahlt und jetzt werden auch die Zocker auf mich aufmerksam.
          „Wahnsinn!“ höre ich von rechts, „Wie machen Sie das nur?“ Und ich antworte ihm ausweichend: „Schau mal auf die Permanenz!“
          Was ich damit meinen würde, schließlich versteht ein Zocker nicht sehr viel vom Spiel.

          Ich erkläre ihm, dass ich auf Wurfweitenwiederholung spiele. w:
          Die „8“ liegt in der Nähe der „5“, die „7“ liegt gleich neben der „28“ und wie die „36“ und die „27“ zueinander stehen, wird er schon selber herausfinden.
          „Und was ist mit den anderen Zahlen?“ fragt der Zocker?
          Ich sage zu ihm: „Das funktioniert nur, wenn der Croupier in Uhrzeigersinn dreht. „Aha“ bekomme ich zur Antwort, so ganz verstanden hat er mich nicht.

          Nun landet die Kugel in der „9“ und ich frage den Zocker, was er denn nun spielen würde. Er meint: „Mit absoluter Sicherheit die 9 und die anderen Zahlen um die 9.“ Ich nicke, setze und gewinne.
          „Es reicht,“ sage ich zum verdutzten Zocker, der vor lauter Angst vor sich selbst nicht einmal auf seine selbst getippte Zahl gesetzt hatte. Er stellt sich als Automatenaufsteller J.Blum vor. Für was das J, steht weiss er nicht mehr weil er vergesslich ist wie er sagt. Damit er hier flüssig bleiben kann, hat er sich zur Sicherheit "jblum4802" auf einen 2er Jeton geritzt und den habe er sicher in der Arschtasche verstaut.
          Er sagt dass wäre seine eiserne Reserve und das letzte Stück was er setzt, bevor er im Eingangsbereich am Geldautomet noch einmal 20€ zieht.

          Weil er eben vergesslich ist steht auf dem letzten Jeton sein PIN für die Bankkarte. Damit er sicher sein kann dass es auch sein PIN ist, hat er zusätzlich seinen Namen dazu geschrieben, denn man kann ja nie wiessen ob nicht irgendein Gast ihm einen Jeton untergejubelt hat.
          Im Casino laufen nur Verbrecher rum sagt er. Ich lade ihm zum essen ein „vielleicht spielen wir nachher noch mal.“ Vergnügt verlassen wir den Saal.

          Für diesen Abend hatte ich mir mehrere Permanenzabschnitte herausgesucht, wo ich mit einem Wurfweitenmodell gewonnen hätte.
          Einmal hab ich sogar besonders hoch gesetzt und absichtlich verloren. Warum nicht Automaten-Blum mal zeigen, dass so etwas nicht immer funktioniert.

          Bad Neuenahr strahlt eine gewisse Sattheit aus, alles sehr prunkvoll eingerichtet um die unerfahrenen Spieler zu blenden. Ich habe mir erlaubt, mir diesen Abend mit 75.000,- vergüten zu lassen.
          Blum traute sich nicht mehr zu setzen. Das ist gut so,
          denn ich will keinen zum Spielen verführen.

          Fortsetzung folgt am16.03.

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